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ralph künzler
Heidelberger Forum für Kunst, 20.03.-18.04.2010


 

PRESSEMITTEILUNG

Ralph Künzler, *1960 in Mannheim, lebt in Stuttgart. Er wohnte von 1972-79 in Heidelberg. Er studierte von 1982-89 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei den Professoren Baumgartl und Schoofs. Er erhielt zahlreiche Stipendien, u. a. der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart, der Kunststiftung Baden-Württemberg, Schloss Balmoral Bad Ems und der Cité de Paris. 2000 erhielt er den Internationalen Designpreis des Landes Baden-Württemberg für die Gestaltung dreier Kommunikationsroboter im Museum für Kommunikation in Berlin, 2006 den III. Ellwanger Kunstpreis. Seine Werke sind seit 1990 in Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien, Kunstvereinen und Museen zu sehen.

Für die Ausstellung in den Räumen der Produzentengalerie des BBK Heidelberg/Heidelberger Forum Für Kunst hat ermehrere wand- und 2 raumbezogene Installationen sowie die Bildserie HD-images neu konzipiert. In beiden Werkgruppen bezieht er den Besucher partizipatorisch in dasWerk mit ein.

In HD-images
lädt er als „Stadtführer“ zu einer Wanderung zu 6 touristisch markanten oder weniger bedeutsamen Schauplätzen Heidelbergs ein. Reiseziele sind u.a. der Philosophenweg, die Ernst-Walz-Brücke und der Emmertsgrund. Begleitet von Bildern der eigenen Erinnerung hat er aktuelle Bilder dieser Orte aus fremden Beschrei-bungen im Internet recherchiert, die ihm jetzt als Ausgangspunkt neu zu generierender Bilder dienen. Auch der Besucher kann diese gefundenen Bilder mit eigenen Bildern seiner Vorstellungs-welt abgleichen. Als Projektionsfläche dienen leere, unbesetzte Rahmen, die der Betrachter gedanklich füllen kann. Die Orte haben genug Bild- und Textpotential zu individuellen Imaginationen. Der Betrachter ist somit nicht fixiert auf statische Einzelbilder, sondern begegnet sich im Idealfalle selbst wie in einem eigenen Film. Auf diesem Wege nimmt jeder aus dieser Ausstellung sein eigenes Bild mit.

"Emmertsgrund"

 

Neben diesen gerahmten Leerstellen – als Rahmen finden von Künzler vom Astwerk befreite Stämme von Weihnachtsbäumen und beschnitzte Wanderstäbe aus Haselnusszweigen Verwendung – tauchen Vorhänge als Bildträger einzelner „Orte“ auf. Die Silhouette derMustersiedlung „Emmertsgrund“ beispielsweise wird von einer von der Decke abgehängten Gardine großflächig bzw. wandfüllend abgeschnitten und dadurch markiert. Während der Rahmen Blick und Ausschnitt fokussiert und klarlegt verbergen Gardinen dahinter Liegendes. Sie verschleiern den Blick. Der Voyeur wird von beiden Seiten inspiriert und kommt gleichermaßen auf seine Kosten, oder eben auch nicht. Neugier und Abgrenzung gehen eine ungewollte Liaison ein. Ein ähnliches, manchem bekanntes Gefühl kann den Kunstliebhaber bei Ausstellungsbesuchen beschleichen, wenn die Neugier der Betrachtung durch den Aufsichtszwang des Personals rücklings ausgebremst wird. Künzler wird auch hier einen Vorhang ziehen.

Indem KünzlerMaterial und Bildwelten recycelt zitiert er sozialisierte Verhaltensmuster. Der abgesägteWeihnachtsbaum, den er von den Sammelplätzen der Stadt reaktiviert hat, bezeugt ritualisierte Handlungen zwischen privater Glücksverheißung, klischeehaften Sachzwängen und sonstigen Automatismen.

  "Graswanger Modell" 

Die InstallationGraswangerModellreflektiert den Besuch einer Wildfütterung am Jahresende imverschneiten Alpenraum. Das Motiv ist auf der Rückseite der Einladungs-karte zu sehen. Mit den Stämmen der „Triberger Fällung“, allesamt vom Triberger Weihnachtsmarkt übernommen (Motiv der Vorderseite!), fertigt Künzler eine solche Futtergrippe in Echtgröße. Auf einem Miniaturmonitor, der von der Decke in die Krippe abgehängt wird, sehen wir einen Dokumentarfilm über die Fütterung: von bezaubernder Stille, fern ab der Zivilisation, erfüllt von den Geräuschen ankommender und gehender Tiere und ihrem Mahl. Der Mensch erscheint außerhalb seiner von ihm kontrollierten Grenzen überflüssig und fremd. In einem unbekannten Land. Auch hier wird der Betrachter zum Betrachter. Er nimmt Platz auf einer designten Sitzgelegenheit, wie im Kino: die Weite des Raumes und damit die Entfernung zum Objekt bzw. den Tieren im Film wird suggeriert durch ein zur Verfügung gestelltes Fernglas, das er benötigt, um auf dem kleinenMonitor das Geschehen zu verfolgen. Er selbst kann an dem poesievollen Naturschauspiel als Ereignis nur passiv teilnehmen.

  

"turning point"

 

Ausgestellt wird auch die Sound-Installation „turning point“. Angeregt von der Rockgruppe PINK FLOYD und ihrer legendären Platte ATOMHEARTMOTHER (schwarz-buntes und braunes Fleckvieh zieren das Cover!) zerlegt Künzler auf der Fläche ein Kuhfell nach dem Vorbild des Logos „Vorsicht, atomare Strahlung“ in Mittelkreis und 3 kreisbegrenzte Arme. An deren Ende stehen 3 Designsessel der 60-er Jahre in grellem Pop-Design. Das Label der Platte wird in den Mittelkreis - einer Tonsur vergleichbar - einrasiert. Mittelpunkt des „Plattentellers“ ist ein schwarzer Eishockeypuck. Wer möchte, der kann sich in gechilltem Ambiente per Köpfhörer den psychedelischen Klängen der Musik hingeben.

Ausstellungsdauer: 20.3.–18.4.2010
Eröffnung: 20. März 2010, 18:00 Begrüßung: Werner Schaub
Einführung: Dr. Christmut Präger
www.heidelberger-forum-fuer-kunst.de
 
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recent works 2010

Ralph Künzler
im HEIDELBERGER FORUM FÜR KUNST 
 

Zur Ausstellung erscheint ein Plakat. Eine Fotoedition ist in unterschiedlichen Formaten und auf Wunsch als Banner oder als Fotografie hinter Acrylglas erhältlich. Ein Katalog mit einem Text von Dr. Christmut Präger ist in Vorbereitung.

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